Tag und Nacht im Atelier, das hat sich gelohnt
Szene aus der Theaterproduktion „Ich bin der Wind“ von Jon Fosse, für die Alina Amman die Ausstattung schuf.
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Kurze Zusammenfassung:
- Alina Amman interessierte sich schon früh für Bühnenausstattung und entschied sich nach ersten Ausbildungsschritten für ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie intensiv und praxisnah arbeitete.
- Heute ist sie als Bühnen- und Kostümbildnerin für Theater, Tanz und Film tätig und arbeitet mit renommierten Regisseurinnen und Regisseuren an großen Bühnen im In- und Ausland.
- Aktuell entwirft sie die Kostüme für den Kinofilm „Die Reise“, der sich mit dem Thema Flucht beschäftigt, sowie die Ausstattung für eine Theater-Uraufführung über Nelly Sachs.
- Bereits während ihres Studiums gestaltete sie Szenografien für Kurzfilme und Musikvideos – aus ersten Projekten entstanden laufend neue Anfragen.
- Sie schätzt besonders die kreative Freiheit und das Vertrauen in der Zusammenarbeit mit offenen Teams und ist glücklich mit ihrer Berufsentscheidung, auch wenn die Arbeit oft bis tief in die Nacht dauert.
Alina Amman hatte sich bereits als Jugendliche für die Ausstattung von Theaterproduktionen interessiert, ihre Ausbildung aber mit Bedacht gewählt. Die Vorarlbergerin kam in Wien in die Meisterklasse namhafter Professorinnen und Professoren und arbeitet nun für Theater-, Tanz- und Filmprojekte.
Nicht nur ihr fachliches Können, auch ein hoher Grad an Sensibilität sind bei jenem Projekt gefragt, mit dem sich Alina Amman derzeit beschäftigt. Sie entwirft die Kostüme für den Kinofilm „Die Reise“ von Sallar Othman. Das Werk handelt von Flüchtlingen, die vor ein paar Jahren die Grenze zwischen Österreich und Ungarn passierten. Für das „harte Thema“ hat sie die Fakten recherchiert und sich die Notsituation vieler Menschen vor Augen geführt. Auch logistisch ist die Arbeit aufwendig, weil sehr viele Kostüme gebraucht werden. Sie werde das aber schon richtig machen, bekundete der Regisseur sein Vertrauen in die Bühnen- und Kostümbildnerin, bei der er für den Auftrag anfragte.
Alina Amman hatte vor einiger Zeit auch an einer Produktion des Walktanztheater in Feldkirch mitgearbeitet.
Dass Alina Amman nicht nur für den Film, sondern weiterhin auch für die Bühne tätig ist, lässt sich gerade durch eine weitere Arbeit belegen. Sie kreiert die Ausstattung für die Uraufführung von „An Stelle von Heimat halte ich die Verwandlungen der Welt“ mit Gedichten sowie Texten aus Briefen und Dramen der Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891-1970), die als Jüdin einst aus Deutschland fliehen musste. Die Premiere findet am 16. April im Theater Nestroyhof in Wien statt, Regie führt Ingrid Lang, die Musik wurde von Lukas Lauermann komponiert. Mehrere Genres fließen ineinander, neben einer Schauspielerin und einer Puppenspielerin ist uch eine Tänzerin an der Produktion beteiligt.
Ihre Kostüme für die Produktion „100 Songs“ in Wien.
„Equus“ als Maturaarbeit.
Fächer, in denen Fantasie, Vorstellungskraft und auch handwerklich-künstlerische Fähigkeiten gefragt sind, haben Alina Amman schon als Jugendliche besonders interessiert. Sie erinnert sich an den Besuch einer Schultheateraufführung, bei der sie intuitiv die Bühnenbilder weit mehr fokussierte als das Spiel selbst. Als Maturaarbeit entwarf sie dann die Ausstattung für ein Theaterstück. Dabei machte sie es sich nicht leicht, „Equus“ von Peter Shaffer sollte es sein. Ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien hatte sie damals schon ins Auge gefasst, aber noch gezögert. Rückblickend erachtet es Alina Amman als absolut richtig und zielführend, dass sie sich erst einmal für ein Fotografiekolleg entschieden hatte.
Die gebürtige Feldkircherin war an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse von Erich Wonder und Anna Viebrock.
„Ich bin glücklich mit meiner Berufsentscheidung. Ich hatte auch das Glück, mit offenen Menschen zusammenarbeiten zu können, die mir vertraut haben und die Freiheit gaben, etwas selbst zu entwickeln.“
„Auch wenn es mir strukturell und inhaltlich nicht zugesagt hat, konnte ich mich so mit dem Kunstbereich vertraut machen und ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.“ An der Akademie der bildenden Künste wurde sie dann in die Meisterklasse des renommierten Bühnenbildners Erich Wonder aufgenommen, bei dem, wie sie erzählt, gleich praxisorientiert gearbeitet wurde: „Man stand quasi Tag und Nacht im Atelier.“ Ihr Diplom machte sie bei der ebenso international bekannten Ausstatterin Anna Viebrock.
Schon während des Studiums kam sie in Kontakt mit der Filmakademie und hat die Szenografie für Kurzfilme und Musikvideos entwickelt. „Wenn ich ein Projekt beendet hatte, kam gleich die nächste Anfrage“.
Die Mitwirkung im Team von Regisseurinnen und Regisseuren führten sie unter anderem an große Bühnen wie das Theater in der Josefstadt in Wien, an die Oper in Frankfurt, ans Tiroler und ans Niederösterreichische Landestheater oder an das Gorki-Theater in Berlin. Für das Theater Nestroyhof hat sie mittlerweile mehrere Projekte realisiert. Sie bezeichnet es als Glück, oft mit Menschen gearbeitet zu haben, die in der Findungsphase für eine Produktion ähnliche ästhetische Vorstellungen hatten. „Das verschaffte mir viel Freiheit“, erklärt die Bühnenbildnerin. „Eine Regisseurin oder ein Regisseur hat verschiedene Vorstellungen und im Idealfall decken sie sich mit den eigenen. Ich hatte meistens mit sehr offenen Menschen zu tun, die mir Vertrauen geschenkt haben. In so einem Fall läuft es künstlerisch immer sehr gut.“
Aktuell arbeitet Alina Amman für die Filmproduktion „Die Reise“ von Sellar Othman.
Einmal in Feldkirch.
Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern des Tanzquartiers in Wien weckten einst ihr Interesse für diese Sparte. Ihre Werkreihe enthält zahlreiche Arbeiten für dieses Genre. Ein Auftrag führte die gebürtige Feldkircherin auch einmal zurück nach Vorarlberg. Brigitte Walk, bekannt für außergewöhnliche Crossover-Produktionen, realisierte mit ihrem Walktanztheater vor einigen Jahren das überaus beeindruckende Stück „How many more times“ über individuelle und gemeinsame Lebensgeschichten und -erfahrungen. Renate Graziadei hatte choreografiert, Alina Amman übernahm die Ausstattung.
Eines der letzten Filmprojekte, an denen sie als Ausstatterin arbeitete war „Schimmer“ von Michael Poetschko.
Inzwischen finden zwar private Besuche in ihrer ehemaligen Heimat statt, aufgrund des Berufes und als Mutter von zwei kleinen Mädchen wurde Wien jetzt jedoch zum Lebensmittelpunkt. Wenn ein Auftrag da ist, wird oft bis in die Nacht gearbeitet und die Auszeit nach der Premiere habe bislang nie lange gedauert.
Übrigens: Eine ihrer jüngsten Arbeiten betraf die Ausstattung für den Film „Schimmer“ von Michael Poetschko, der Umweltthemen berührt. Und wer schmunzeln möchte, schaue sich den Kurzfilm „Die Badewanne“ von Tim Ellrich an, für den sie die Dekoration entwarf. Drei Männer stellen für ihre Mutter ein Foto aus ihrer Kindheit nach. Der Film lief auch beim Festival Alpinale in Vorarlberg.
Von Christa Dietrich
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